Vor vielen Jahren, genauer gesagt 2015, unmittelbar bevor ich mir mein Haus im Schwarzwald gekauft habe, war ich auf dem Jakobsweg unterwegs: zwei Monate lang zu Fuß durch Frankreich und Spanien. Von Le Puy-en-Velay führte mich der Weg über die Via Podiensis und den Camino Francés schließlich bis nach Santiago de Compostela. Für die letzten Etappen wechselte ich sogar noch auf den Camino Primitivo.
Diese Reise hat mich geprägt und bereichert wie kaum eine andere Erfahrung. In meinem autobiografischen Buch »750 Meter Glück« nimmt sie deshalb auch einige Kapitel ein. Kürzlich habe ich bei einer Lesung erstmals über eine Begegnung auf dem Camino de Santiago gelesen. Dabei wurden nicht nur bei mir Erinnerungen wach – auch im Publikum saßen Menschen, die selbst schon gepilgert sind oder davon träumen, sich eines Tages auf den Weg zu machen.
Während meiner Pilgerreise habe ich übrigens jeden Tag Tagebuch geführt – diese Bücher sind richtige Schätze für mich, und als ich meine eigene Geschichte aufgeschrieben habe und zur Pilgerreise kam, war ich ebenfalls sehr dankbar über meien Aufzeichnungen.
Ich glaube, ein bisschen Pilgerin bin ich bis heute geblieben.
Dieses Frühjahr waren wir als Familie beim Horber Frühling, einer Art Frühlingsfest. Dort entdeckte ich einen Stand der Jakobus-Gesellschaft und nahm einen Flyer mit Pilgerwegen in der Region mit. Vielen ist vor allem der berühmte Camino Francés von St.-Jean-Pied-de-Port nach Santiago de Compostela bekannt. Doch tatsächlich gibt es in ganz Deutschland ein dichtes Netz an Jakobs- und Pilgerwegen.
Da kam mir die Idee: Warum nicht einmal für einen Tag pilgern?
Gesagt, getan. Letzten Sonntag schnürte ich die Wanderschuhe und machte mich auf den Weg von Horb nach Loßburg. Laut Beschilderung waren es 24,5 Kilometer – dazu kamen ein- oder zweimal Verlaufen, ein paar zusätzliche Meter und natürlich die Höhenmeter des Schwarzwalds. Am Ende war die Strecke deutlich anspruchsvoller als gedacht.
Aber genau das macht für mich den Reiz des Pilgerns aus. Der Weg hat etwas Magisches. Nach wie vor. Egal, ob in Nordspanien oder vor der eigenen Haustür.
Umso stolzer war ich, als ich schließlich in Loßburg in einem Café saß. An die eigenen Grenzen zu gehen und zu merken, was alles möglich ist, fühlt sich einfach gut an. Das erinnerte mich auch an meine Zeit als Läuferin bei Wettkämpfen.
Mein Fazit: Man muss nicht wochenlang durch Spanien laufen, um das Gefühl des Pilgerns zu erleben. Manchmal reicht schon ein Tag auf einem Pilgerweg vor der eigenen Haustür. Der Jakobsweg hat für mich bis heute nichts von seiner Faszination verloren.
Wer mehr über meine Pilgererfahrungen erfahren möchte, findet in meinem autobiografischen Buch »750 Meter Glück« weitere Geschichten und Begegnungen vom Camino de Santiago. Einen Bericht über meine Tagesetappe im Schwarzwald gibt es außerdem auf dem Blog der Black Forest Lodge.
Zum Abschluss möchte ich noch einige Bilder von meiner Pilgerreise 2015 durch Südwestfrankreich und Nordspanien teilen:



















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